Betrachtet man die Hotellerie und Gastronomie holistisch, so eint sich die Branche in ihrem größten Problem: Die Personalsituation. Gerade bei der Besetzung von Lehrstellen, der Suche nach Fachkräften und sogar der Unternehmensnachfolge.
Laut DEHOGA- Branchenbericht aus dem Herbst 2019 stellt für 66,5 Prozent der Betriebe die Gewinnung von qualifiziertem Personal das größte Problem dar.

Der Bedarf an Fachkräften ist auf dem deutschen Markt natürlich nicht ansatzweise abzudecken, sodass Betriebe in grenznahen Regionen (Brandenburg, Sachsen, Bayern) schon gezielt im osteuropäischen Ausland auf Fachkräfte- Sichtung und -Gewinnung setzen.

Viele Unternehmen vergessen aber, dass das Recruiting von Fachkräften bereits bei der Unternehmenskultur und der hauseigenen Kommunikation in den sozialen Medien beginnt. Hotels und Restaurants, welche sich in den sozialen Medien nicht attraktiv darstellen, verschenken Potenziale bezüglich der Vertrauensbildung zu potentiellen neuen Mitarbeitern.

Köche oder Barkeeper schauen gern auch mal auf die Website bzw. die Kanäle in den sozialen Medien, um sich ein erstes, vertiefendes Bild über den neuen Arbeitgeber zu machen. Sollte dieser über eine Website von “vor dem Krieg” und über keine sozialen Kanäle (Facebook, Instagram) verfügen, so senkt dies die Attraktivität des Arbeitgebers in den Augen des potentiellen Arbeitnehmers.

1. In den sozialen Medien vertreten sein

Hierbei bilden ein gepflegter Facebook und Instagram Kanal die Grundlage. Je nach Möglichkeit und Größe des Unternehmens (Beispiel Hotelkette) machen auch Kanäle wie YouTube oder Pinterest Sinn. Wir bleiben aber mal bei den Basics.

optimale profilbeschreibung (3) (1)

(Quelle: Instagram: dresdneraussicht [zugegriffen am: 01.05.2020] )

2. Inhaltlich relevant und abwechslungsreich sein

Liebe Hotelgastronomen, bitte verseucht Eure Kanäle nicht mit banaler Werbung. Bitte stellt Euch folgendes Szenario vor: Ihr schaut abends Wer wird Millionär. Von der einstündigen Sendezeit entfallen 15 Minuten auf Werbung und 45 Minuten läuft das Programm. Und genau da müsst Ihr hin, in die Sendezeit und nicht in die Werbung.

Hin und wieder ein Angebot posten ist in Ordnung. Gern dürfen auch Veranstaltungen beworben werden, aber versorgt Eure Follower mit mehrwertreichen Informationen. Gebt nützliche Tipps und Tricks für die heimische Küche oder informiert Eure Follower über Beziehungen zu Lieferanten und Partnern. Setzt, soweit es möglich ist, Euer Team in Szene und gebt Euren Social Media Aktivitäten ein Gesicht.

wilmawunder

Das Team von wilma_wunder bedankt sich persönlich für 10.000 Follower bei Instagram.

(Quelle: Instagram: wilma_wunder [zugegriffen am: 01.05.2020] )

3. Das Team mit einbeziehen

Verdienten Mitarbeitern oder jungen “socialmediaaffinen” Angestellten kann getrost eine Rolle auf der Facebookseite zugewiesen- oder auch der Instagram Account übergeben werden. Diese können so Stories aus dem Arbeitsalltag direkt mit den Usern auf den sozialen Medien teilen. Stories sind aktuell ein Format, welches sich auf Instagram, aber auch auf Facebook an steigender Beliebtheit erfreut.

Zudem wertet es das Ansehen als Arbeitgeber auf. Wenn das Team aktiv in die Unternehmenskommunikation eingebunden wird, suggeriert dies ein positives und kollegiales Arbeitsklima nach außen.

Anbei sehen Sie Sven F. der neben seiner Tätigkeit als Restaurantleiter in einem sächsischen Kleinstadt-Restaurant auch noch für Facebook und Instagram sehr aktiv vor der Kamera war.

sven f.
beispiel-sven-f.

4. Relevante Facebook Gruppen nutzen

Bei Facebook hat man direkt die Möglichkeit Jobs zu offerieren. Hiervon rate ich aber ab, da gefühlt jeder auf der Suche ist und offene Stellen zu besetzen hat. Effizienter wäre hier das aktive Nutzen von spezifischen Facebook- Gruppen. Hier kann man sich erkundigen, ob potentielle Fachkräfte verfügbar sind. An diesem Ort kann ein Inserat exclusiv geteilt werden (unter Beachtung der Richtlinien der jeweiligen Gruppe).

In einer Facebook Gruppe, in welcher sich viele Menschen tummeln, die in der Gastronomie tätig sind, hat ein solcher Beitrag auch mehr Relevanz als auf einer Facebook-Seite, der in erster Linie Gäste und Fans der Lokalität folgen. Kommis hat eine Landing-Page erstellt, die für das Recruiting relevante Facebook Gruppen listet. Einfach mal rein schauen.

5. Werbung schalten die inspiriert

Es spricht auch nichts dagegen offene Stellen auf Facebook oder Instagram zu bewerben. Hier rate ich aber von der Bewerbung von Stellengesuche ab und empfehle stattdessen individuelle, kreative Inhalte zu erstellen und zielgruppengerecht zu bewerben. So kann man beispielsweise gezielt Geld für ein Recruiting-Video in die Hand nehmen, in diesem das eigene Arbeitsklima in abbilden und dies mit einer Call-to-Action versehen: “ Na, Bock drauf bei Uns mitzumachen? - Dann schick Uns doch mal ne Bewerbung”.

Ein innovatives und kreatives Video strahlt Souveränität aus zieht Bewerber an, welche sich auch einen Tapetenwechsel vorstellen können. Ideenlose Stellenausschreibungen wie “Suche Koch” wirken eher bedürftig und im kreativen Social Web fade. Und Bedürftigkeit macht Sie als Arbeitgeber auch nicht besonders sexy. Anbei mal eine sehr originelle Idee der Metzgerei Hack (das Handwerk hat ja die gleichen Probleme):

werbung schalten

6. Schüler Praktikanten ins Azubi Marketing einspannen

Heute gilt das Handwerk schlichtweg einfach nicht mehr als sexy und attraktiv für Jugendliche. Diese beschäftigen sich im Alter von 13- 16 auch weniger aktiv mit der Frage wo es mal beruflich hingehen soll. In der 8. und 9. Klasse hat ein Arbeitgeber allerdings die Möglichkeit, Schülerpraktikanten über mehrere Woche im Unternehmen arbeiten zu lassen. Dies wird bisher zumeist medial nicht wirklich genutzt. Jetzt mal ein kleiner Gedankenanstoß für euch 😉

Ein 15-jähriger Hauptschüler, nennen wir ihn Max, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nach der 9. oder 10. Klasse eine Ausbildung machen. Dieser wird in sozialen Netzwerken aktiv sein (Snapchat, Instagram, WhatsApp) und mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Follower im gleichen Alterssegment (Mitschüler, Freunde) haben. Max entscheidet sich dafür sein Pflichtpraktikum in der Küche eines Hotels zu machen, da er mit dem Gedanken spielt ggf. nach der Schule eine Ausbildung zum Koch zu machen.

Nun könnte das Hotel Max für das Praktikum (welches ja generell kostenfrei ist) ja auch finanziell entlohnen, wenn dieser seine Tätigkeiten regelmäßig in den sozialen Medien teilt. So kann sich das Hotel in einer relevanten Zielgruppe, welche sonst schwer bis gar nicht erreichbar ist, als Arbeitgeber darstellen. Zudem ist es immer besser, wenn andere für das Unternehmen Werbung machen, wie in diesem Fall Max. Menschen interessieren sich in sozialen Medien mehr für die Aktivitäten anderer Menschen, als für Unternehmensbotschaften.

So werden die Freunde von Max bei Whatsapp, bzw. Instagram genau hinschauen, was er da so den ganzen Tag macht - aus Interesse an Max. Subliminar werden sie sich aber auch mit dem Hotel und den Arbeitsabläufen auseinandersetzen.

7. Fazit

Es gibt kein Patentrezept.

Für alle Ideen und Empfehlungen kann ich natürlich keine Garantie geben. Dennoch sollte man die Social Media Effekte und Synergien gerade in Bezug auf Recruiting nicht unterschätzen. Social Media ist omnipräsent.

Zudem behaupte ich, dass diese Kanäle definitiv in das Recruiting miteinbezogen werden sollten. Scheuen Sie auch nicht davor sich beraten zu lassen und ggf. ein individuelles Konzept zu entwickeln. Sie investieren letztendlich in Ihr Unternehmen und Ihren Fortbestand.

Jens Piesker von onFire digital in einer Autorenbox

Über den Autor

 

Jens Piesker - Hat wahrscheinlich schon mehr Influencerinnen zu Marketingzwecken auf Instagram angeschrieben, als Frauen im realen Leben angesprochen 😉

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Jens Piesker - Hat wahrscheinlich schon mehr Influencerinnen zu Marketingzwecken auf Instagram angeschrieben, als Frauen im realen Leben angesprochen 😉

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